Ein bemerkenswertes HipHop-Modell für die Gegenwart:

abstrakt, experimentell, verschroben, düster – trotzdem jazzy, warm und sogar ein wenig eingängig. Es ist schon ein Hingucker an sich, wenn eine Band auf Sub Pop veröffentlicht, immerhin eines der essenziellen Labels der Alternative-Szene der letzten zwanzig Jahre und nach einem zwischenzeitlichen Hänger seit ein paar Jahren wieder ziemlich frisch mit dabei. Wenn es sich dabei allerdings um HipHop handelt, kommt das Erstaunen hinzu. Shabazz Palaces sind in der Tat der erste HipHop-Act auf Sub Pop und man muss auch als Interessierter am Genre nicht gleich tot umfallen, wenn man mit diesem Namen bis dato noch wenig anfangen konnte. Gerade mal ein paar Platten und Songs wurden via eigener Webseite veröffentlicht und die Anzahl der Livegigs außerhalb Seattles ist wohl auch eher überschaubar. Shabazz Palaces – „Free Press And Curl“ Womit wir auch gleich in Seattle sind, der Heimat von Sub Pop und von Ishmael „Butterfly“ Butler. Der ist im Wesentlichen Shabazz Palaces und alles andere als ein unbeschriebenes Blatt, wenn auch sein Bekanntheitsgrad aus einer HipHop-Ära stammt, die Äonen vom aktuellen Kosmos entfernt scheint. Anfang der Neunziger gehörte er zu den Digable Planets, die damals parallel zu den ungleich bekannteren A Tribe Called Quest eine explizit jazzige Soundnote ins Genre einführten. Nur kurz währte die offizielle Geschichte der Digable Planets, Butterfly ging zurück nach Seattle und kam Insidern nochmal als Frontmann von Cherrywine unter. Shabazz Palaces – „Recollections Of The Wraith“ „Recollections Of The Wraith“ heißt der Track auf diesem aktuellen Album, der am meisten an seine musikalischen Wurzeln gemahnt, ein sehr smoother, zurückgelehnter Song mit gedrosseltem Tempo, geschmeidigem Flow und sehr oldschoolig gehaltenem female Background-Gesang, den man direkt neben ein Wu Tang’sches „Can It Be All So Simple“ und sein „Let’s talk about the good old days“-Gestus stellen könnte. Aber auch hier dröhnt schon eine kaum zu ignorierendes Bassmonster unter der Decke, nur kurzzeitig gezähmt, scheint es, für diesen einen Song. Sehr, sehr tief gelegt ist der Soundeindruck von „Black Up“, geschuldet ist das eben dieser eher wabernden als klopfenden Bassline, die alle Tracks antreibt, weniger mit herkömmlichen HipHop- denn mit Garage-Beats gemein hat und mit ihrer immer ein wenig neben der Spur anmutenden Akzentuierung für eine generell abstrakte Anmutung sorgt. Gekoppelt an ein durchweg entschleunigtes Grundtempo und mit verfilterten Vocal-Sprengseln und Reverse-Loops versetzt, wird die eigentlich tatsächlich jazz-verhangene Musikalität des Albums in eine düstere, nachhaltig verstörende, dem eigenen Hörempfinden zumindest auf den ersten Versuch gefühlt querliegende Atmosphäre verwandelt. Es ist ein bemerkenswerter Effekt, der jedem Schnellmalhören-Versuch eine Absage erteilt, obwohl „Black Up“ im Detail alles andere als uneingängig gehalten ist. Zumindest lässt sich das konstatieren, hat man sich erstmal durch den Ersthörschock mit all seiner – gern als „experimentell“ bezeichneten – Schepper- und Spacesound-Konsequenz gewühlt. Dann allerdings geht einem dieses Album nicht mehr aus dem Schädel. Bemerkenswert. motor.de

Diese Rezension sagt alles – darum jetzt reinhören
                            

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Shabazz Palaces – Swerve… by subpop

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