Mo‘ Better Blues (1992)

Stereoplay
Besser läßt sich für den Jazz kaum die Reklametrommel rühren als mit dem viereinhalbminütigen Rap „Jazz Thing“. Zu witzigen Rap- und Scratchpassagen macht einer, den sie „Gangstarr“ nennen, mit einfachen Worten auf Swing und Bop, auf Billie Holiday, Dizzy Gillespie, Charlie Parker, Paul Whiteman und John Coltrane neugierig. Der 30jährige Saxophonist Branford Marsalis, der rund fünf Jahre mit Sting auf Tournee war, knüpft mit „Mo’Better Blues“, ganz im Sinne seines Bruders Wynton, an die Wurzeln des Jazz und ihre populären Seitentriebe an. In bittersüßer Romantik schwelgen zwei von Cynda Williams mit klarer Stimme gesungene Versionen des „Harlem Blues“, die Altmeister Claire Fisher mit Streichern versetzte. In den übrigen sechs Titeln setzt Branfords Quintett fort, was sein Quartett auf „Crazy People Music“ (CBS 466 870-1/-2) bereits in Perfektion bot: die Synthese aus brillanten Soli, die Bop und frühere Jazzformen aufgreifen, aus intensivem Gruppenspiel und komplexen, erst nach dem Freejazz möglichen Harmoniefolgen. Vom intensiven Slowblues bis zur verträumten Bar-Ballade mit dem Trompeter Terence Blanchard reicht das Spektrum. Für zusätzliches Hörvergnügen sorgt eine ironische Abrechnung mit dem Genre der „Love Songs“ in „Pop Top 40“. „Mo’Better Blues“ ist ein populäres Album für Kopf-Hörer.

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