The Lady Killer

Sein Song “Crazy” mit Gnarls Barkley war die größte Single des 21. Jahrhunderts. Auf seinem Solodebüt veröffentlicht Cee-Lo Green nun Soulgospelfunkrap der besseren Art.

Wenn man sich die schwarze Popmusik als Schulklasse vorstellt, dann besetzt der aus Atlanta stammende Cee-Lo Green die Rolle des Klassenclowns. Er ist ein theaterspielender Alleskönner. Schon vor 15 Jahren, damals noch als Rapper des Goodie Mob, hat sich der gedrungene Typ mit dem Kastenschädel und den tätowierten Armen schrille Perücken aufgesetzt. Als er dann 2002 eine Solokarriere begann, wusste man nie so recht, ob er den nächsten Song im Star-Wars-Kostüm oder in Frauenkleidern aufführen würde. Entsprechend spleenig wirkten seine Alben: Die Kritiker liebten Cee-Lo Greens zwischen Gospel, Funk und Rap oszillierende Musik, bejubelten ihn gar als fülligeren Wiedergänger von Prince. Dem Massenpublikum erschlossen sich seine Rollenspiele weniger. Zu esoterisch für die Hip-Hop-Jugend, zu aggressiv für die Soulgemeinde.

Auf The Ladykiller hat Cee-Lo Green endlich das passende Korsett für seine expressiv knödelnde Stimme gefunden: In den Songs schwingt bei aller Kraftmeierei stets auch ein wenig Verzweiflung mit. Oft sind die Geschichten von erkalteten Affären und wiedereroberten Lieben nur ein Vorwand, um den schmachtenden Crooner voll auszuspielen und nach altem Motown-Rezept eine Prise Schmerz mit viel Sirup aufzukochen.

Zum Glück aber haben einige von Greens exzentrischen Charakterzügen die geschliffene Produktion überlebt. So reicht das Spektrum von der Neo-Disco-Nummer Bright Lights Bigger City über die als Forget You entschärfte Vorabsingle bis zur düster-intensiven Mord-Ballade Bodies, in der er von einer Frauenleiche auf seinem Bett flüstert. Für den Tanztee taugt diese Platte nur bedingt. Spannender aber als die braven Retro-Soul-Nummern in den Charts dieser Tage ist Cee-Lo Greens Freak-Show garantiert.

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